Blutdrucksenker und Demenz: Die Wahl des Wirkstoffs entscheidet
Bluthochdruck gilt als einer der größten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz im Alter. Eine konsequente medikamentöse Behandlung ist daher unerlässlich, um das Gehirn zu schützen. Doch eine neue US-Studie zeigt nun: Nicht jeder Blutdrucksenker ist im Kampf gegen den geistigen Verfall gleich effektiv. Die genaue Wirkweise der Medikamente spielt eine weitaus größere Rolle als bisher angenommen.
Aktuelle Studie liefert neue Erkenntnisse
Forscher der University of Washington haben in einer umfassenden Untersuchung herausgefunden, dass der neuroprotektive – also gehirnschützende – Effekt von Blutdrucksenkern nicht allein auf der reinen Senkung des Blutdrucks beruht. Vielmehr kommt es auf die spezifische Rezeptorwirkung der eingesetzten Antihypertensiva an. Die Ergebnisse dieser weitreichenden Autopsie-Studie wurden kürzlich im renommierten Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlicht.
Zwei Gruppen von Medikamenten im Vergleich
Die Wissenschaftler teilten die gängigen Blutdruckmedikamente in zwei Hauptgruppen ein, basierend auf ihrer Interaktion mit dem Hormon Angiotensin II, welches den Blutdruck im Körper maßgeblich reguliert:
- Angiotensin-II-stimulierende Medikamente: Hierzu zählen unter anderem Sartane (Angiotensin-Rezeptor-Blocker), Thiazid-Diuretika und bestimmte Kalziumkanalblocker (Dihydropyridine).
- Angiotensin-II-hemmende Medikamente: Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise die häufig verschriebenen ACE-Hemmer, Betablocker und andere Kalziumkanalblocker.
Stimulierung von Rezeptoren schützt das Gehirn
Das bemerkenswerte Ergebnis der Studie: Patienten, die über Jahre hinweg mit Angiotensin-II-stimulierenden Medikamenten behandelt wurden, wiesen ein signifikant geringeres Risiko für demenzbedingte Hirnveränderungen auf.
Der Grund dafür liegt in der komplexen Funktionsweise von Angiotensin II. Während das Blockieren bestimmter Rezeptoren den Blutdruck erfolgreich senkt, kann die gleichzeitige Stimulierung der sogenannten Typ-2- und Typ-4-Rezeptoren äußerst positive Effekte auf das Gehirn haben. Diese speziellen Rezeptoren fördern die Durchblutung, unterstützen die Gesundheit der Blutgefäße im Gehirn und schützen offenbar vor den typischen neurologischen Schäden, die zu Alzheimer und anderen Demenzformen führen.
Was bedeutet das für Patienten?
Trotz dieser vielversprechenden Erkenntnisse raten Mediziner dringend davon ab, bestehende Blutdruckmedikationen eigenmächtig abzusetzen oder zu verändern. Sowohl stimulierende als auch hemmende Wirkstoffe senken den Blutdruck effektiv und verringern damit das grundsätzliche Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenz.
Für die zukünftige medizinische Praxis könnten die Ergebnisse jedoch wegweisend sein. Laut den Forschern könnte die gezielte Verordnung von Angiotensin-II-stimulierenden Präparaten eine kostengünstige und flächendeckende Strategie darstellen, um die Demenzprävention weiter zu verbessern. Wer familiär vorbelastet ist oder Fragen zu seiner aktuellen Medikation hat, sollte dieses Thema beim nächsten Routine-Check-up in Ruhe mit seinem behandelnden Hausarzt oder Kardiologen besprechen.
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