Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen: Warum ein Umdenken nötig ist

Benedikt Hübenthal
KI im Gesundheitswesen: Fokus auf Prozesse statt Produkte

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als einer der größten Hoffnungsträger für das moderne Gesundheitswesen und die Pflegebranche. Doch die Realität in den Kliniken und Pflegeeinrichtungen zeigt oft ein anderes Bild: Neue Technologien werden zwar angeschafft, entfalten aber nicht ihr volles Potenzial. Experten warnen nun davor, dass die Einführung von KI-Anwendungen grundlegend überdacht werden muss.

Kritik: Zu viel Produkt, zu wenig Prozess

Auf dem aktuellen Digital Health Innovation Forum des renommierten Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam waren sich die Fachleute einig: Die Integration von Künstlicher Intelligenz in Gesundheitssystemen verläuft derzeit zu stark produktgetrieben. Anstatt den Fokus darauf zu legen, wie eine neue Software den Arbeitsalltag und die Prozesse von Pflegekräften und Ärzten konkret verbessern kann, steht oft nur das technische Produkt selbst im Vordergrund.

Dies führt in der Praxis dazu, dass teure KI-Lösungen angeschafft werden, die sich nicht nahtlos in die bestehenden Abläufe integrieren lassen. Für das ohnehin stark belastete Pflege- und Medizinpersonal bedeutet das im schlimmsten Fall Mehrarbeit statt der erhofften Entlastung.

Was bedeutet das für den Pflegealltag?

Gerade in der Pflege, wo der Fachkräftemangel allgegenwärtig ist, könnte KI eine entscheidende Rolle spielen. Die Automatisierung von zeitaufwendigen Dokumentationspflichten, die Überwachung von Vitalparametern oder die intelligente Dienstplanung sind nur einige Beispiele. Damit diese Hilfsmittel jedoch wirklich ankommen, müssen die Prozesse vor der Einführung der Technik analysiert und angepasst werden.

Konkrete Lösungsansätze für eine bessere Integration

  • Fokus auf den Anwender: Pflegekräfte und Ärzte müssen von Beginn an in die Entwicklung und Auswahl von KI-Systemen einbezogen werden.
  • Prozessoptimierung: Vor der Anschaffung einer KI-Software müssen die bestehenden Arbeitsabläufe analysiert und gegebenenfalls neu strukturiert werden.
  • Schulung und Begleitung: Das Personal benötigt umfassende Weiterbildungen, um Berührungsängste abzubauen und die Systeme effizient nutzen zu können.
  • Nahtlose Schnittstellen: Neue Anwendungen müssen mit den bereits vorhandenen IT-Systemen in Kliniken und Heimen reibungslos kommunizieren.

Die europäische Gesundheitsbranche steht an einem Wendepunkt. Wenn es gelingt, den Blick von der reinen Technik auf die tatsächlichen Arbeitsabläufe zu lenken, kann Künstliche Intelligenz zu einem echten Meilenstein werden – für die Patienten, die Pflegebedürftigen und nicht zuletzt für das Personal, das dringend auf wirksame Entlastung wartet.

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